Thema meiner Diplomarbeit in zeitgemäßem Gewand

Modellierung des Einflusses von axialen Zylinderformabweichungen auf das Messergebnis beim Streiflichtinterferometer

Interaktive Simulation
Hinweis: Die Smartphone-Ansicht ist funktional reduziert. Die vollständige Parametrierung und Detailauswertung stehen am PC zur Verfügung.

Hintergrund zur Diplomarbeit

Vor rund 25 Jahren modellierte ich im Rahmen meiner Diplomarbeit am Lehrstuhl für Qualitätsmanagement und Fertigungsmesstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg das optische Messgerät „CylinderMaster CM25“, mit dem Ziel, den Einfluss von Zylinderform und Werkstücklage auf die ermittelten Formabweichungen zu untersuchen. Der Absolutdurchmesser ist verfahrensbedingt keine Messgröße. Zur Verifikation wurden zwei Prüfkörper mit definierten Formabweichungen entworfen, beschafft und Simulation und reale Messung erfolgreich miteinander verglichen.

CylinderMaster CM25

Der CylinderMaster CM25 ist ein optisches Präzisionsmessgerät zur hochgenauen, berührungslosen Bestimmung von Formabweichungen zylindrischer Bauteile.

Das Messprinzip basiert auf der Streiflichtinterferometrie (Grazing Incidence Interferometry). Ein aufgeweiteter Laserstrahl wird durch rotationssymmetrische diffraktive Elemente geformt und trifft unter sehr flachem Winkel auf die Mantelfläche des Prüflings. Der reflektierte Messstrahl wird anschließend mit dem Referenzstrahl zur Interferenz gebracht. Aus den phasengeschobenen Interferogrammen lassen sich die Formabweichungen der Zylinderoberfläche flächenhaft bestimmen.

Dabei werden tausende Oberflächenpunkte parallel erfasst, ohne dass der Prüfling während der Messung rotiert werden muss. Bestimmt werden insbesondere Zylindrizität, Rundheit und Geradheit.

Typische Anwendungen sind Präzisionsbauteile mit engsten Formtoleranzen, etwa Steuerkolben, Einspritznadeln, Ventilbauteile oder Wälzlagerrollen.

ChatGPT-Einschätzung
Für die Zeit vor 25 Jahren war der Ansatz bemerkenswert weit gedacht. Zwar entstanden damals bereits erste virtuelle Messgeräte, etwa das VCMM; hier wurde jedoch ein konkreter optischer Messprozess als veränderbares Simulationsmodell mit seinen Einflussgrößen abgebildet. Die Idee, damit Messergebnisse virtuell zu untersuchen und ihre Aussagekraft abzuschätzen, entspricht in wesentlichen Zügen dem heutigen Gedanken von Digital Twin und Virtual Metrology.
25 Jahre später: Ausblick umgesetzt

Die Arbeit fand am Lehrstuhl damals aufgrund anderer Prioritäten keine Fortführung. Zum Silberjubiläum wurde die Idee nach 25 Jahren wieder aufgegriffen und basierend auf den damals skizzierten weiterführenden Ideen abgeschlossen. Ergänzt wurden insbesondere:

  • zusätzliche Formabweichungen,
  • Rauheit und lokale Neigung,
  • temperaturbedingte Formänderungen,
  • Rückrechnung aus dem Phasenbild,
  • Berechnung von Formkenngrößen,
  • Messunsicherheit nach GUM und Monte Carlo.

Bei der heute standardmäßig verfügbaren Rechenleistung lassen sich mehrere zehn Millionen Strahlengänge einzeln simulieren, während im Jahr 2001 rund 245.000 Strahlweg-Berechnungen ein vernünftiges Limit darstellten.

Damit sind zentrale Punkte des damaligen Ausblicks heute umgesetzt.

Am PC zusätzlich möglich
  • Formparameter frei verändern
  • Optik, Detektor, Temperaturmodell und numerische Auflösung parametrieren
  • Setup mit Inkrementen und Startwerten speichern und laden
  • Rauheits-Seed gezielt vorgeben
  • vollständige Form- und Messunsicherheitsauswertung einschließlich Monte Carlo
  • 3D-Vorschau sowie zusätzliche Export- und Detailfunktionen
Aufbau der Arbeit und ursprüngliches Programm
Aufbau der Diplomarbeit
Aufbau der Arbeit: Von Aufgabenstellung, Modellbildung und Programmierung über Prüfkörpererstellung und Simulation bis zur Bewertung. Die Rückkopplung zwischen Modell, Simulation und Randbedingungen ist sehr schön zu erkennen.
Historische Haupteingabemaske
Haupteingabemaske: Der damalige Aufbau mit Bedienleiste, Messgerätaufbau, Ausgangs- und berechnetem Zylinder, Einstellfeldern, Lageänderung, Interferenzbild und Auswertefeld.
Veröffentlichung: Ergebnisse der Arbeit wurden 2002 gemeinsam mit R. Ernst in den VDI-Berichten 1694, S. 167–171 veröffentlicht:

Modelling the Influences of Axial Cylindrical Form Errors on the Measurement Result of the Grazing Incidence Interferometry Based on the Optical System of the Tropel CylinderMaster CM25.

Modell

Messobjekt: Lage und Rauheit

α/β in m°; γ in °; x/y/z in µm.

−/+ = kleiner Schritt · jede Änderung startet automatisch eine Neuberechnung.

Rq und lokale Neigungsstreuung werden als ortsgebundenes, kontinuierliches Zufallsfeld auf der Werkstückoberfläche erzeugt. Damit bleibt dieselbe Rauheitsrealisierung auch bei geänderter Netzteilung räumlich konsistent. Der Seed hält die Rauheitsrealisierung reproduzierbar.

Werkstück & Formabweichungen

Harmonische Ordnung, Umfangsphase und Helix werden aktiv, sobald der Umfangsfehler ungleich 0 µm ist.

Temperatur

Vereinfachtes thermisches Werkstückmodell: lokale radiale und axiale Wärmeausdehnung werden berücksichtigt. Eine gleichmäßige Erwärmung verändert vor allem das Maß; ein axialer Temperaturgradient kann zusätzlich eine messbare Formänderung erzeugen.

Optik & Detektor
Numerik / Beschränkungen
Setup / Inkremente für − / +

Hier lässt sich für jeden numerischen Simulationsparameter festlegen, um welchen Betrag ein Klick auf − oder + den Wert verändert. Zusätzlich kann für jeden Parameter ein Startwert hinterlegt werden.

ParameterInkrementStartwert
Bereit.

CCD / Ergebnis

−π
+π

Mausrad: Zoom · Ziehen: Verschieben · Doppelklick: Treffer automatisch einpassen. Ansicht: automatisch eingepasst

–Strahltreffer
–belegte Pixel
–ungültige Strahlen
–Rechenzeit
Axiales Profil
Rückrechnung aus dem Phasenbild

Das aktuelle Phasenbild wird gegen einen idealen Zylinder mit gleicher Lage und Optik ausgewertet. Die Phasendifferenz wird zunächst zweidimensional auf dem Detektor entrollt, anschließend den axialen Strahltreffpunkten zugeordnet und mit der lokalen Streiflicht-Empfindlichkeit in eine radiale Formabweichung zurückgerechnet. Eine virtuelle 1-µm-Kalibrierung bestimmt zusätzlich den Maßstab. Bei Doppelglocke, Tonne und Taille wird wegen der starken Strahlumlagerung stattdessen ein nichtlinearer Vorwärtsmodell-Fit des Phasenbildes verwendet; der nicht messbare konstante Radiusanteil wird entfernt.

Noch keine Rückrechnung durchgeführt.
rekonstruiert gesamtgefittete GrundformResidualModellgeometrie
–Konizität ΔD
–axiale Form PV
–axiale Form RMS
–Profilabweichung RMS zum Modell
–Fit-Güte
Werkstücklage / 3D-Vorschau

Ziehen dreht nur die Ansicht. Die Lageparameter links verändern das simulierte Werkstück. Das angedeutete Strahlfeld dient nur der Veranschaulichung des Messraums und des Strahlengangs.

Formauswertung & Messunsicherheit

Der Absolutdurchmesser wird bei der Formauswertung bewusst eliminiert. Bewertet werden ausschließlich relative Formanteile. Die Kennwerte der Oberfläche werden aus der aktuellen simulierten Geometrie bestimmt; die Unsicherheitsrechnung verwendet zusätzlich ein kompaktes virtuelles Messmodell des Streiflichtinterferometers.

–Konizität ΔD über Länge
–axiale Form PV, nach Gerade
–axiale Form RMS
–Tonne/Taille, radial
–axiale Welligkeitsamplitude
–Umfangsform PV, Mitte

Eingangsgrößen für die Unsicherheitsrechnung

Die vorgegebenen Standardunsicherheiten sind Beispielwerte und müssen für eine reale Unsicherheitsbilanz durch kalibrierte bzw. experimentell ermittelte Werte ersetzt werden.

Einflussgrößeaktivu(x)EinheitVerteilung
Bereit.
Methodik: Die lineare Auswertung nutzt numerisch bestimmte Sensitivitätskoeffizienten und die übliche quadratische Unsicherheitsfortpflanzung. Die Monte-Carlo-Auswertung propagiert die gewählten Wahrscheinlichkeitsverteilungen durch das nichtlineare Simulationsmodell. Die Eingangsgrößen werden derzeit als unabhängig behandelt. Bezug: GUM / JCGM 100 und Monte-Carlo-Supplements JCGM 101/102.

Ergebnis

FormkennwertWertuGUMuMC95 %-Intervall MC
Noch keine Unsicherheitsrechnung durchgeführt.